Auswandern Thailand Podcast
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#60 – Deutscher Pastor in Pattaya: Seelsorge im "Sündenpfuhl"
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Ein evangelischer Pastor in Pattaya

In aktuellen Folge des Auswandern Thailand Podcast begrüßen Wolfgang Payer und Stefan Fabbro einen besonderen Gast, denn Pastor Peter Hirsekorn, der als evangelischer Seelsorger in Pattaya eine Gemeinde betreut. Was auf den ersten Blick wie ein Widerspruch klingt, entpuppt sich als eine Geschichte voller Menschlichkeit, Engagement und überraschender Einblicke in das Leben deutschsprachiger Auswanderer in Thailand.

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Vom IT-Chef zum Seelsorger in Thailand

Peter Hirsekorn, Jahrgang 1957, war in seinem früheren Leben CEO einer IT-Firma mit 120 Mitarbeitern in Frankfurt. Studiert hat er Geschichte, politische Wissenschaften und Anglistik. Seine Leidenschaft für fremde Kulturen und das Reisen begleiteten ihn seit der Jugend. Nach ausgedehnten Aufenthalten in den USA, Südamerika und China führte ihn eine erste Thailand-Reise in den 1990er Jahren schließlich zu der Erkenntnis, dass dieses Land mehr zu bieten hat als nur einen Strandurlaub. Während eines späteren Besuchs lernte er seine Frau kennen, eine Thailänderin aus Udon Thani, und lebte mit ihr rund 25 Jahre in Deutschland, bevor beide 2016 nach Thailand auswanderten.

Warum ausgerechnet Pattaya?

Die Entscheidung für Pattaya fiel aus praktischen Gründen. Die Nähe zum Flughafen Suvarnabhumi, das angenehme Klima im Vergleich zum schwülen Süden oder kühlen Norden und die gute Infrastruktur mit medizinischer Versorgung gaben den Ausschlag. Pastor Hirsekorn betont, dass der Ruf Pattayas als Sündenpfuhl nicht der Realität entspricht. Wer die einschlägigen Viertel nicht aufsucht, wird davon auch nicht berührt. In Bangkok seien die entsprechenden Szenen mindestens genauso ausgeprägt, nur werde dort niemand dafür verurteilt.

Die Freie Evangelische Gemeinde Pattaya

Am 15. Dezember 2024 gründete Hirsekorn die Freie Evangelische Gemeinde Pattaya, nachdem es zu unterschiedlichen Auffassungen mit der EKD (Evangelische Kirche Deutschlands) über die Ausrichtung der Gemeindearbeit gekommen war. Alle damaligen Mitglieder in Pattaya blieben bei ihm. In nur 14 Monaten wuchs die Gemeinde von 45 auf 120 Mitglieder. Die Finanzierung erfolgt über Mitgliedsbeiträge von 2.500 Baht im Jahr. Hirsekorn selbst arbeitet komplett ehrenamtlich und lebt von seiner deutschen Rente. Alle 14 Tage findet ein Gottesdienst statt, im Advent sogar wöchentlich.

Trauungen, Taufen und offene Türen für alle

Das Spektrum der pastoralen Arbeit umfasst Gottesdienste, Taufen, Trauungen, Beerdigungen und Konfirmationen. Bemerkenswert ist die Offenheit der Gemeinde. Pastor Hirsekorn traut ausdrücklich auch gleichgeschlechtliche Paare, solange die Beziehung legal und einvernehmlich ist. Seelsorge und Beichte stehen jedem offen, unabhängig von einer Mitgliedschaft. Im August plant er eine Strandtrauung in Jomtien für ein deutsch-thailändisches Paar, das sich aus Deutschland bei ihm angemeldet hat. Auch die Erneuerung des Ehegelöbnisses wird zunehmend nachgefragt.

Einsamkeit und Suizidgefahr unter Auswanderern

Eines der drängendsten Themen, mit denen Pastor Hirsekorn konfrontiert wird, ist die Einsamkeit unter deutschsprachigen Auswanderern. Viele haben ihre Partnerin verloren, den Kontakt zu den Kindern oder sind finanziell in eine Sackgasse geraten. Im schlimmsten Fall reicht die Verzweiflung bis zur Suizidgefahr. Hirsekorn berichtet von nächtlichen Anrufen, bei denen ihm mitgeteilt wird, dass jemand auf dem Balkon steht und zu springen droht. Bislang sei es ihm immer gelungen, die Menschen in solchen Situationen zu erreichen. Er betont die Bedeutung von Anlaufstellen wie dem Begegnungszentrum, wo Betroffene niedrigschwellig Anschluss finden können.

Die größten Fehler beim Auswandern nach Thailand

Aus seiner langjährigen Erfahrung warnt Hirsekorn vor einigen typischen Trugschlüssen. Der häufigste Fehler sei es, einen dreiwöchigen Urlaub mit dem dauerhaften Leben in Thailand gleichzusetzen. Themen wie Krankenversicherung, die ab 75 Jahren kaum noch bezahlbar ist, und Sprachkenntnisse würden regelmäßig unterschätzt. Besonders kritisch sieht er die Fälle, in denen gestandene Männer nach wenigen Tagen ihr Erspartes in eine flüchtige Bekanntschaft investieren. Sein Rat an alle Neuankömmlinge lautet, sich zunächst mit erfahrenen Auswanderern auszutauschen, bevor wichtige Entscheidungen getroffen werden.

Arbeitsrecht und Visum in Thailand

Stefan Fabbro erklärt im Gespräch die rechtlichen Rahmenbedingungen für die Gemeindearbeit. Pastor Hirsekorn ist mit einem Rentnervisum in Thailand und darf keine bezahlte Arbeit ausüben. Für alle Tätigkeiten, die als Arbeit gelten könnten, etwa das Bestuhlen des Gemeindesaals oder den Ticketverkauf, ist der thailändische Betriebsleiter Khun Jack zuständig. Die Gemeinde ist als staatlich anerkannte Association registriert. Auch grundsätzlich gilt für Ausländer in Thailand eine Liste von rund 165 geschützten Berufen, darunter sämtliche handwerklichen Tätigkeiten. Hirsekorn rät dringend davon ab, illegal zu arbeiten, da Haftstrafen und Einreiseverbote drohen.

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