Reiner Calmund ist zum zweiten Mal zu Gast im Auswandern Thailand Podcast. Der frühere Bundesliga-Manager spricht offen über sein soziales Engagement in Thailand, seine Patenschaften, sein Adoptivkind und über die Frage, warum es ihm wichtig ist, Menschen zu helfen, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen.
Der zweite Auftritt entstand kurzfristig anlässlich eines Empfangs der Deutschen Botschaft in Bangkok, bei dem Calmund einen Vortrag zur FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2026 hielt. Calmund nimmt sich Zeit für ein ausführliches und sehr persönliches Interview.
Thailand als Land mit zwei Gesichtern
Calmund beschreibt Thailand zunächst als wunderbares Urlaubsland mit Sonne, hervorragender Küche, Stränden, Bergen und schönen Städten. Gerade für Menschen aus Europa, die nicht über ein großes Budget verfügen, sei das Königreich ein Paradies. Gleichzeitig macht er deutlich, dass dieses Bild nur eine Seite der Wahrheit ist. Wie in Deutschland und Europa gebe es auch in Thailand viele Menschen und insbesondere Kinder, die unter schwierigen Bedingungen aufwachsen. Wer es sich leisten könne, solle deshalb regelmäßig prüfen, ob er etwas zurückgeben kann.
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Der Patensohn und das Waisenhaus in Pattaya
Ein zentrales Thema des Gesprächs ist Calmunds Patensohn studiert hat und gemeinsam mit seiner Freundin auf dem Empfang der Botschaft auftrat. Er wurde als Säugling im Alter von wenigen Wochen in einem Körbchen vor dem Waisenhaus abgesetzt. Die Einrichtung gehört zum Human Help Network und betreut Kinder unabhängig von Religion und Herkunft, sowohl auf christlicher als auch auf buddhistischer Grundlage. Calmund betont, dass ihm gerade dieser religionsübergreifende Ansatz wichtig ist, da er sich mit beiden Glaubensrichtungen identifizieren kann.
Der Engel von Siam
Eine Schlüsselrolle in Calmunds Engagement spielt die langjährige Leiterin des Waisenhauses, die er als Engel von Siam bezeichnet. Über ein Gespräch mit dem Leiter des Mainzer Unterhauses kam Calmund vor 18 Jahren zu seinem 60. Geburtstag auf die Idee, statt Geschenken Spenden zu sammeln. Unter dem Motto Kinder lächeln statt Geschenke kamen damals 20.000 Mark zusammen, die direkt an das Human Help Network in Thailand überwiesen wurden. Zu seinem 75. Geburtstag waren es bereits über 200.000 Euro, ohne dass Calmund einen einzigen Cent in die eigene Hand bekam, da das beauftragte Jugendhilfswerk die Spenden direkt verwaltet.
Adoptiv- und Pflegekind
Aus dem regelmäßigen Kontakt zum Waisenhaus entwickelte sich auch eine Adoption. Ein Mädchen, das ausschließlich seine Frau als Bezugsperson akzeptierte, wurde in die Familie aufgenommen. Sie ist heute 16 Jahre alt und für Calmund das liebste seiner Kinder, da sie die größten Bedürfnisse hatte. Eine zweite enge Bindung gibt es zur einer weiteren Pflegetochter aus dem Saarland, die als Achtjährige als einziges Familienmitglied einen Hausbrand überlebte. Sie hat inzwischen ihr Abitur mit der Gesamtnote 1,0 abgeschlossen und entschied sich gegen einen sofortigen Berufseinstieg, um in Thailand ein soziales Jahr beim Human Help Network zu absolvieren. Parallel wird sie in der Easy ABC Sprachschule ihr Englisch vertiefen.
Klare Worte an Spenden-Kritiker
Reiner Calmund stellt unmissverständlich klar, wie er mit Menschen umgeht, die soziales Engagement grundsätzlich kritisieren. Wer selbst nichts beitrage und trotzdem über Spender meckere, sei für ihn schlicht ein Bedenkenträger, dem er den Buckel runterrutschen lasse. Er gehe sorgfältig mit den anvertrauten Geldern um, lasse jeden einzelnen Spendenfluss dokumentieren und arbeite ausschließlich mit transparenten Strukturen. Wichtig sei ihm, dass nicht nur reiche Spender, sondern auch der einfache Mensch von der Straße, der zehn Baht geben kann, denselben Stellenwert habe wie ein Unternehmer mit großen Beträgen.
Thailändische Lebensart und der Vergleich mit Deutschland
Im Gespräch zeigt sich Calmund auch als großer Liebhaber der thailändischen Küche. Er bestellt im Restaurant konsequent Tom Yam Goong und Pad Krapow mit Rind, gefolgt von Mango als Nachspeise, und bezeichnet einfache thailändische Gerichte als Sterne-Erlebnis. Auch in Deutschland greift er regelmäßig zur asiatischen Küche, die in Saarlouis fest zur Esskultur gehört. Innereien und stark fermentierter Stinkefisch wie Pla Raa sind hingegen nicht sein Geschmack.
Thailand und der Fußball
Beim Thema thailändischer Fußball wird Calmund deutlich. Trotz über 70 Millionen Einwohnern fehle es nicht an Talent, sondern an konsequenter Nachwuchsarbeit. In Deutschland werde Profivereinen klar vorgeschrieben, welche Trainer mit Lizenz, welche Infrastruktur und welche Ausbildungswege sie nachweisen müssen, um in der Ersten oder Zweiten Liga spielen zu dürfen. Genau diese verbindlichen Strukturen fehlten in Thailand bisher. Anekdotisch berichtet Calmund auch davon, wie er Winnie Schäfer als ehemaligen Nationaltrainer nach Thailand vermittelte und wie er selbst beim Empfang in Bangkok das aktuelle Trikot der deutschen Nationalmannschaft mit Unterschriften an einen hohen General übergab.
Berliner Mauer im Garten der Botschaft
Ein weiteres Thema sind die Stücke der Berliner Mauer, die im Garten der Deutschen Botschaft stehen. Sie wurden vom Berliner Unternehmer Axel Brauer aus Pattaya finanziert und symbolisch eingeweiht. Für Calmund passt das Symbol perfekt zu einer Botschaft, da Mauern zwischen Menschen und Gesellschaften gefallen seien und Freiheit auch in Asien einen sichtbaren Ausdruck verdiene.
Calmunds Botschaft an die Zuschauer
Zum Abschluss richtet Calmund einen direkten Appell an alle, die in Thailand leben oder das Land besuchen. Wer seine Grundbedürfnisse selbst decken könne, solle regelmäßig nach links und rechts schauen und einen kleinen Teil für Menschen einsetzen, die diese Möglichkeit nicht haben. Insbesondere Kinder seien auf solche Unterstützung angewiesen. Für ihn sei es nebensächlich, ob jemand zehn Baht oder tausend Baht gebe. Entscheidend sei die Haltung, dass man hinschaut und handelt. Mit dieser klaren Aussage endet ein außergewöhnlich persönliches Gespräch mit einem prominenten Förderer thailändischer Waisenkinder.
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