Folge 93 des Auswandern Thailand Podcast entstand nicht im Studio, sondern in der Seniorenresidenz Homely Senior Living am Stadtrand von Pattaya. Stefan Fabbro und Wolfgang Payer sind dort bei René zu Gast, der die Anlage leitet. Wolfgang kennt den gebürtigen Niederländer seit über zehn Jahren, weil er in dessen Hotel einst Sprachunterricht gegeben hat. René lebt seit mehr als 40 Jahren in Thailand und blickt auf eine lange Karriere in der Hotellerie zurück.
Wir würden uns über Kommentare zur Folge in unserer Facebook-Gruppe Auswandern Thailand für Deutschsprachige freuen.
Vom Kreuzfahrtschiff in die Hotellerie
Nach der Hotelfachschule in den Niederlanden fuhr René mit Holland America Cruises um die Welt und lernte dabei auch Thailand kennen. Die Hotels waren hier viel größer und luxuriöser als in seiner Heimat, und die Pagen trugen 1982 noch traditionelle Thai-Uniformen. Er schrieb alle Hotels des Landes an und fand nach sechs Monaten eine Stelle im Siam Bayshore. Es folgten Stationen bei der Montien-Gruppe, auf der Insel Guam, bei der Eröffnung des Holiday Inn Silom, zwei Jahre in Kuala Lumpur sowie im Menam Riverside und im Pathumwan Princess.
Zwanzig Jahre im Thai Garden Resort
Über viele Jahre hielt René Kontakt zu Herrn Niehaus, dem Besitzer des Thai Garden Resort in Pattaya und früheren Vorstandsmitglied von Eintracht Frankfurt. Als dieser ihn bat, das Hotel zu übernehmen, zog René mit seiner Familie nach Pattaya, wo die Kinder mit Strand und großem Garten aufwachsen konnten. Das Hotel wurde für 120 Tage geschlossen und mit Küche, Empfang, Wegen und Swimmingpools von Grund auf erneuert. Dank seiner guten Beziehungen zu Reiseveranstaltern wie TUI, Dertour und Schauinsland wurde das Thai Garden zur größten deutschsprachigen Enklave in Pattaya, die zudem das deutsche Konsulat beherbergte.
Pattaya im Wandel der Jahrzehnte
Als René ankam, gab es in Pattaya im Wesentlichen die Beach Road, und in Jomtien stand das Gras hoch. Mit jedem neuen Hotel, Kondo und Einkaufszentrum fürchtete man das Ende des Wachstums, doch gebaut wird bis heute. Aus dem überschaubaren Badeort ist eine multikulturelle Stadt mit Krankenhäusern, Spezialisten, Restaurants und Freizeitangeboten aller Art geworden. Den Ruf als Rotlichtstadt wird Pattaya nach seiner Einschätzung allerdings nie ganz los, auch wenn viele Besucher nach dem ersten Aufenthalt hängen bleiben.
Arbeiten mit Arbeitsgenehmigung
Früher musste ein Ausländer nachweisen, dass er etwas kann, was ein Thailänder nicht kann, etwa drei Sprachen fließend sprechen. Das Verfahren lief mit vielen Stempeln und Papieren, während die Arbeitsgenehmigung heute nur noch eine Karte im Kreditkartenformat ist. Thailand schützt nach wie vor bestimmte Berufe für die eigene Bevölkerung, was René ausdrücklich richtig findet. Führungspositionen in der Hotellerie wurden zudem kaum ausgeschrieben, sondern über Headhunter aus Hongkong und persönliche Beziehungen vergeben.
Wie aus Pool-Villen eine Seniorenresidenz wurde
Die Besitzerfamilie des Homely betreibt ein Bauunternehmen und hatte einst auch das Thai Garden renoviert. Auf einem Gelände von rund 160.000 Quadratmetern baute sie 55 Pool-Villen und vermietete die Anlage an eine koreanische Reiseagentur. Als diese in der Covid-Zeit die Schlüssel zurückgab und der deutsche Ehemann der Besitzerin einen Schlaganfall erlitt, wurde Pflegepersonal für ihn eingestellt. Bald fragten Nachbarn nach Betreuung für Angehörige, und so entstand die Seniorenresidenz, deren Gründer heute als Bronzestatue über das Gelände blickt.
Was 2.000 Euro im Monat abdecken
Neben den Pool-Villen gibt es inzwischen auch Zimmer mit etwa 40 Quadratmetern, die aus umgebauten Villen entstanden sind. Für rund 2.000 Euro im Monat erhalten Bewohner Zimmer, Strom, Wasser, Reinigung, Wäscheservice, Internet, eine wöchentliche Massage und mehrmals im Monat einen Fahrdienst zum Einkaufen. Im Preis enthalten sind außerdem Frühstücksbuffet mit Koch, Mittag- und Abendessen mit fünf westlichen und zwei thailändischen Gerichten sowie ein High Tea am Nachmittag. Rund um die Uhr sind Pfleger im Haus, und jeden Sonntag kommt ein Arzt des Bangkok Pattaya Hospital zur Visite in die Zimmer.
Visum, Bankkonto und 90-Tage-Meldung inklusive
Ein Punkt, der viele Zuseher interessiert, ist die Bürokratie rund um den Aufenthalt. Die Bewohner reisen in der Regel mit einem Touristenvisum ein, und die Residenz übernimmt danach die komplette Papierarbeit vom Visum über die Eröffnung des Bankkontos bis zur 90-Tage-Meldung. Damit stellt das Haus sicher, dass niemand versehentlich in einen Overstay gerät, und verwahrt dafür auch die Reisepässe. Diese Leistungen sind im Grundpreis enthalten, sodass sich die Bewohner um Behördengänge nicht mehr kümmern müssen.
Pflegestufen von betreut bis rund um die Uhr
Neben dem selbstständigen Wohnen bietet die Residenz betreutes Wohnen an, bei dem das Personal stündlich nach den Bewohnern sieht und dreimal täglich den Blutdruck misst. Für Menschen mit Demenz gibt es eine Betreuung durch Caregiver und als letzte Stufe eine Pflege rund um die Uhr, jeweils gegen Aufpreis. Derzeit kümmern sich 77 Angestellte um 32 Bewohner aus den USA, Kanada, der Schweiz, Deutschland, Belgien, Australien, Italien und Thailand. Während Pflegebedürftige in Deutschland oft stundenlang warten, ist hier nach Renés Worten innerhalb von fünf Minuten jemand zur Stelle.
Krankenhaus, Kaution und Patientenverfügung
Bei Einzug verlangt die Residenz eine medizinische Kaution von 200,000 Baht, weil thailändische Krankenhäuser in der Regel Vorkasse verlangen und nachts nicht immer ein Angehöriger erreichbar ist. Eine Patientenverfügung, etwa zum Verzicht auf Wiederbelebung, wird dokumentiert und vom Personal beachtet. Kein Bewohner geht allein ins Krankenhaus, und mit dem Phyathai Hospital in Bowin besteht eine Vereinbarung zu günstigeren Konditionen. Pflegekosten rechnet die Residenz direkt mit dem Bewohner ab, der eine mögliche Erstattung selbst mit seiner Versicherung in der Heimat klären muss.
Ausflüge, Haustiere und Besuch von Angehörigen
Ein Monatsprogramm bietet zweimal täglich Aktivitäten wie Bowling, Tischtennis, Kochen oder Nähen, wobei niemand zur Teilnahme gezwungen wird. Einmal pro Woche geht es zum Einkaufen, auch mit Rollstuhlfahrern, und viermal im Jahr reist eine Gruppe unter dem Motto Homely on Tour durchs Land. Kleine Hunde und Katzen sind willkommen, ebenso Paare, auch wenn derzeit alle Bewohner alleinstehend sind. Besuchende Angehörige können bei freien Kapazitäten direkt in der Anlage übernachten.
- Senioner nach Thailand holen? Dieser Mann macht’s möglich!
- Selbstständig in Thailand
- Ladyboys in Thailand: Wir stellen die Fragen, die sich sonst keiner traut!