Auswandern Thailand Podcast
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#92 – Selbstständig in Thailand
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Vom Urlaubstraum zur eigenen Firma

In Folge 92 des Auswandern Thailand Podcast sprechen Stefan Fabbro und Wolfgang Payer über die Selbstständigkeit in Thailand. Viele Auswanderer träumen zunächst nur davon, in einem exotischen Land zu leben, und stellen erst später fest, dass sie hier auch ihren Lebensunterhalt verdienen müssen. Wer noch kein Rentner ist und kein ausreichendes Kapital mitbringt, stößt als Angestellter schnell an Grenzen, weil viele Berufe für Ausländer verboten sind. Aus diesem Grund rutschen nach Einschätzung von Stefan sehr viele Ausländer eher aus Mangel an Alternativen in die Selbstständigkeit als aus echter Überzeugung.

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Ein schwieriger Arbeitsmarkt für Ausländer

Wer Stellenportale wie JobsDB durchsieht, findet abseits von Positionen mit Masterabschluss oder speziellen Qualifikationen kaum passende Angebote. Eine Anstellung für 25,000 Baht ohne Arbeitsgenehmigung ist nach Ansicht der beiden keine Grundlage, um sich in Thailand nachhaltig etwas aufzubauen. Wolfgang kam ursprünglich als Angestellter einer Sprachschule nach Bangkok und hatte keineswegs vor, ein eigenes Unternehmen zu gründen. Erst die Erfahrung, dass dort vieles nicht nach seinen Vorstellungen lief, brachte ihn auf die Idee, es selbst besser zu machen.

Arbeitsgenehmigung und Firmengründung

Grundsätzlich erhält jeder, der in Thailand ein Unternehmen gründet und Arbeitsplätze schafft, auch eine Arbeitsgenehmigung. Dafür hält der Ausländer in der Regel 49 Prozent der Gesellschaftsanteile, ist Direktor, stellt vier thailändische Mitarbeiter sozialversicherungspflichtig ein und bringt zwei Millionen Baht Stammkapital ein. Dann gibt es auch ein passendes Non-Immigrant-B-Visum, sofern kein Heiratsvisum vorhanden ist. Anders als Thailänder, die vieles über die eigene Steuernummer abrechnen dürfen, müssen Ausländer eine Company Limited gründen und sich mit doppelter Buchführung, Körperschaftsteuer, Umsatzsteuer und Quellensteuer auseinandersetzen.

Freiheit hat ihren Preis

Flexible Arbeitszeiten, ein gutes Einkommen und das Gefühl, der eigene Chef zu sein, klingen verlockend. Wolfgang erinnert sich jedoch an die ersten fünf bis sechs Jahre mit Arbeitstagen von zwölf bis fünfzehn Stunden und ohne freie Wochenenden. Bis man Mitarbeitern genug vertraut, um ihnen das Geschäft auch einmal zu überlassen, vergehen Jahre. Hinzu kommen in Thailand ein fremdes Rechtssystem und kulturelle Unterschiede, die gerade die Führung von Mitarbeitern zu einer großen Herausforderung machen.

Wer mit Bananen bezahlt, bekommt Affen

Viele Gründer kalkulieren mit dem Mindestlohn von etwa 12,000 Baht und wundern sich dann über die Leistung ihres Personals. Qualifizierte Fachkräfte verdienen eher 25,000 bis 50,000 Baht im Monat und erwarten zu Recht mehr als einen Getränkebonus. Zwar sind die Startkosten in Thailand niedriger als in Europa, doch die erzielbaren Preise liegen oft weit unter europäischem Niveau. Wer gutes Personal braucht, aber die entsprechenden Einnahmen nicht erzielt, gerät schnell in Schwierigkeiten.

Marketing und die lange Nebensaison

Für Wolfgang war nicht die Bürokratie und auch nicht die Suche nach Mitarbeitern die größte Hürde, sondern die Vermarktung seiner Schule. Viele Restaurants verdienen von November bis Januar gutes Geld und stehen von Mai bis August fast ohne Gäste da. Wer in der Hochsaison wie ein König lebt und keine Rücklagen für die ruhigen Monate bildet, ist ab April oft verschwunden. Stefan setzt deshalb bewusst auf die Expat-Community, also auf Menschen, die das ganze Jahr über im Land leben.

Den Wettbewerb kennen

Noch vor der Eröffnung seiner Sprachschule fuhr Wolfgang mit seiner damaligen Freundin auf dem Moped durch die Stadt und besuchte die anderen Sprachschulen. Er fragte nach Preisen, schaute sich Klassenräume an und verschaffte sich so ein Bild davon, auf welchem Niveau er antreten und welches er übertreffen musste. Als Ausländer konkurriert man dabei häufig mit Einheimischen, die geringere Verwaltungskosten und weniger steuerliche Pflichten haben. Wer nur auf demselben Niveau anbietet, bleibt einer von vielen.

Alleinstellungsmerkmal statt Marktlücke

Eine echte Marktlücke werden Gründer nach Ansicht von Stefan kaum finden, und wenn doch, wird sie innerhalb kurzer Zeit kopiert. Entscheidend ist ein Alleinstellungsmerkmal, also etwas, das man besser kann als die anderen und wofür Kunden auch bereit sind, den einen oder anderen Baht mehr zu bezahlen. Stefan stellt sich jede Woche die Frage, warum ein Kunde gerade zu FS Consulting kommen sollte. Konkurrenten mit Dumpingpreisen verschwinden zwar oft nach einigen Monaten, doch schon bald eröffnet der nächste mit demselben Konzept.

Was die Goldshops in Chinatown lehren

Wolfgang nennt die Goldshops in der Chinatown von Bangkok als Beispiel, wo ein Geschäft neben dem anderen liegt und trotzdem alle gut überleben. Jedes dieser Geschäfte hat seine Stammkundschaft, weil zwischen Inhaber, Angestellten und Kunden über die Jahre ein Vertrauensverhältnis gewachsen ist. Kunden wissen, dass sie dort nicht betrogen werden und dass Fehler fair in Ordnung gebracht werden. Auch wer wie Wolfgang Sprachkurse verkauft, die meist nur einmal gebucht werden, profitiert von zufriedenen Kunden, die ihn weiterempfehlen.

Der Traum von der eigenen Bar

Häufig entsteht die Idee zur Selbstständigkeit im Urlaub, wenn man in einer gut besuchten Bar am Strand sitzt und glaubt, das selbst noch besser zu können. Dazu kommt die Hoffnung, dass Landsleute automatisch kommen, sobald die Bundesliga läuft, oder das Rezept der Großmutter für die beste Currywurst. Solche Ideen sind nach Ansicht der beiden zu wenig, denn in Thailand kennt einen zunächst niemand und alles beginnt bei null. Für Kunden ist der Inhaber selbst verantwortlich und nicht die Mitarbeiterin, die auf Provision für Getränke hofft.

Bekanntheit braucht Zeit und Online-Präsenz

Werbung im Farang-Magazin, Online-Auftritte, Veranstaltungen und Netzwerktreffen sind eine Aufgabe ohne Ende. Bei FS Consulting dauerte es über ein Jahr, bis das Unternehmen schwarze Zahlen schrieb, und anfangs gab es für jede Aussage Gegenwind, weil schlicht niemand den Gründer kannte. Heute holt Stefan viele Kunden bereits online ab, bevor sie überhaupt nach Thailand reisen, etwa über YouTube, Beratungsgespräche, Terminreservierungen oder Antworten in der Facebook-Gruppe. Auch Google-Bewertungen spielen eine wichtige Rolle, weil sich Interessenten daran orientieren.

Die Grenzen der Arbeitserlaubnis

Eine Arbeitserlaubnis berechtigt nicht zu jeder Tätigkeit. Sie gilt nur für die jeweilige Firma, den jeweiligen Ort und den eingetragenen Beruf. Ein Geschäftsführer darf Mitarbeiter anleiten, Kunden beraten und Bilanzen unterschreiben, aber weder kassieren noch putzen noch eine Glühbirne wechseln, denn diese Tätigkeiten sind Thailändern vorbehalten. Fällt der Kassierer aus, muss ein anderer thailändischer Mitarbeiter einspringen, und eine Arbeitsgenehmigung bei einer Firma erlaubt keine Mitarbeit bei einer anderen.

Vorsicht beim thailändischen Partner

Viele Gründer schreiben Lizenzen, Mietvertrag und Bankkonto auf einen thailändischen Partner und glauben, damit von den Behörden in Ruhe gelassen zu werden. Es gibt jedoch genügend Fälle, in denen der Partner den Ausländer eines Tages vor die Tür gesetzt hat. Wer eine Freundin oder einen Bekannten nur deshalb zum Geschäftsführer macht, weil er Thai spricht, unterschätzt zudem, wie wenig auch Einheimische mit Steuern und Gewerberecht vertraut sind. Hinzu kommt, dass Nominee-Konstruktionen derzeit streng kontrolliert werden und Firmen ohne nachweisbare Einlage geschlossen werden können.

Realistisch planen und Reserven halten

Der internationale Tourismus konzentriert sich auf wenige Monate, die Kosten laufen aber zwölf Monate im Jahr weiter. Stefan empfiehlt Unternehmern daher Rücklagen, mit denen sie und ihre Familie mindestens zwei Jahre ohne Geschäftseinnahmen leben können, zusätzlich zum Notgroschen für eine mögliche Heimreise. Wer gestern seinen Hausstand verkauft hat und heute in Thailand ein Unternehmen gründen will, scheitert nach seiner Erfahrung mit hoher Wahrscheinlichkeit. Gründer sollten außerdem damit rechnen, dass verärgerte Konkurrenten die Immigration auf sie aufmerksam machen.

Netzwerk, Leidenschaft und ein realistischer Blick

Geschäfte entstehen zwischen Menschen und nicht zwischen Firmen, deshalb sind Kontakte, Stammtische und Gruppentreffen ein wichtiger Baustein. Wer dort nur hingeht, um etwas zu verkaufen, wird von den Menschen schnell durchschaut, denn sie merken, ob jemand authentisch ist. Wolfgang und Stefan wollen niemanden entmutigen und sind selbst der Beweis, dass Selbstständigkeit in Thailand funktionieren kann. Sie raten aber dazu, die rosarote Brille abzunehmen, das Risiko nüchtern zu prüfen und nur dann zu gründen, wenn man wirklich für die Sache brennt.

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