In Folge 91 des Auswandern Thailand Podcast widmen sich Stefan Fabbro und Wolfgang Payer einem Thema, über das in Thailand viel gesprochen und wenig gefragt wird. Zu Gast ist Bussaba Sriprasan, genannt Jeans, eine 35-jährige Thailänderin und Kathoey, die seit rund 30 Jahren in Pattaya lebt. Wolfgang und Stefan führten das Interview auf Thailändisch, eine zweite Tonspur im YouTube-Video liefert die deutsche Übersetzung. Im Podcast gibt es nur die deutsche Tonspur. Ziel des Gesprächs ist es, Ausländern zu zeigen, wie Transfrauen in Thailand leben und wie man ihnen mit Respekt begegnet.
Wir würden uns über Kommentare zur Folge in unserer Facebook-Gruppe Auswandern Thailand für Deutschsprachige freuen.
Die deutsche Tonspur wurde mit KI erzeugt.
Mit acht Jahren war die Richtung klar
Jeans kam mit etwa vier Jahren aus Bangkok nach Pattaya und ging hier auch zur Schule. Schon mit acht Jahren spielte sie lieber mit Freundinnen und Papierpuppen als mit Jungs, die ihr zu grob waren, und mit acht oder neun verliebte sie sich in einen Mitschüler. Eine Spielfigur namens Valentine wurde zu ihrem Vorbild, denn so hübsch wollte sie später auch sein. Heimlich trug sie den Lippenstift ihrer Schwester und ihrer Mutter auf und benutzte ein Handtuch als langes Haar.
Hormone vom gesparten Schulgeld
Ihren Eltern vertraute sie sich mit etwa 13 Jahren an, nach fünf Jahren des Schweigens. Ein Freund riet ihr damals zu Hormonen, doch ihre Mutter gab ihr nur 40 Baht Taschengeld. Weil es in der Schule kostenloses Essen gab, legte Jeans jeden Tag 20 Baht zurück und verkaufte zusätzlich kopierte Hausaufgaben für fünf bis zehn Baht pro Blatt an Mitschüler. Als Buddhistin sah sie in ihrer Situation lange eine Frage des Karmas, heute stellt sie sich die Frage nach dem Warum nicht mehr.
Enge Uniform, roter Lippenstift und kaum Mobbing
In der Mittelstufe trug Jeans knallroten Lippenstift und kaufte die Schuluniform für Jungen bewusst eine Nummer kleiner. Die Lehrer verboten Make-up und Frauenkleidung, weil die Schule als staatliche Einrichtung strenge Regeln hatte. Ihre Mutter akzeptierte sie von Anfang an, der Stiefvater hielt sich heraus. Gemobbt fühlte sie sich nach eigener Aussage nie, Spitznamen nahm sie gelassen, und für viele Mitschüler war sie als Helferin bei den Hausaufgaben schlicht unverzichtbar.
Abgelehnt bei Wohnung und Arbeit
Deutlich schwieriger wurde es nach der Schule. Mit etwa 20 Jahren erhielt Jeans nach eigenen Worten Absagen bei Unterkünften und bei vielen Stellen, als Kassiererin wurde sie mit 22 ausdrücklich wegen ihrer Identität abgelehnt. Ein Vorgesetzter holte sie schließlich in eine andere Abteilung, in der sie nicht mit Geld zu tun hatte und sich bis zu einer guten Position hocharbeitete. Ihre Kollegen fürchteten anfangs, Transfrauen seien grundsätzlich aggressiv oder unehrlich, ein Bild, das ihrer Ansicht nach vor allem durch Medienberichte entsteht.
Als Immobilienmaklerin in Pattaya
Heute arbeitet Jeans seit gut zwei Jahren als Immobilienmaklerin bei Oasis Real Estate, freiberuflich, aber mit festen fünf Arbeitstagen pro Woche. Im Verkauf sieht sie für Transfrauen und andere LGBT-Menschen gute Chancen, weil dort Selbstbewusstsein und Gesprächsgeschick zählen. Thailändische und ausländische Kunden konzentrieren sich nach ihrer Erfahrung auf das, was sie präsentiert. Manche bemerken erst bei der Anzahlung, wenn sie ihren Ausweis sehen, dass sie mit einer Transfrau verhandelt haben.
Die bewusste Entscheidung gegen die große Operation
Lange wollte Jeans unbedingt eine vollständige Geschlechtsangleichung und hatte das Geld dafür bereits beisammen. Sie entschied sich dennoch nur für eine Brustoperation, weil sie ihrem damaligen thailändischen Partner die Pflege danach nicht zutraute und die dauerhafte Nachsorge nicht in ihr Leben passte. Ein italienischer Freund bestärkte sie später mit dem Satz, dann könne er gleich eine biologische Frau daten. Seit sie mit 28 begonnen hat, Ausländer zu daten, ist der Wunsch nach der Operation in den Hintergrund getreten.
Thailändischer oder ausländischer Partner
Am wichtigsten in einer Beziehung ist für Jeans ein passender Lebensstil. Ein thailändischer Partner hat den Vorteil der gemeinsamen Sprache, Konflikte lassen sich schneller lösen. Mit Ausländern bleibt dagegen manchmal nur das Schweigen, wenn im Streit das Englisch nicht reicht. Dennoch schätzt sie die offene Denkweise ausländischer Partner, die weniger an Traditionen und kulturelle Erwartungen gebunden sind, und beobachtet zugleich, dass die thailändische Gesellschaft in den letzten zehn Jahren deutlich offener geworden ist.
Kathoey, Ladyboy oder Transfrau
Bei der Frage nach dem richtigen Begriff ist Jeans pragmatisch. Sie selbst bezeichnet sich als Kathoey, weil das Wort in Thailand gängig ist, in der Community gilt Sao Praphet Song als besonders höflich und respektvoll. Transgender hält sie eher für einen medizinischen Begriff, der im Alltag unter Freunden fremd wirkt. Ob ein Wort verletzt, hängt nach ihrer Erfahrung vor allem davon ab, wer es in welcher Situation benutzt.
Vorurteile und was wirklich dahintersteckt
Am meisten stört Jeans, wenn Männer sie ungefragt ansprechen, dann nachfragen, ob sie ein Ladyboy sei, und das Ganze als Witz auf ihre Kosten behandeln. Das häufigste Missverständnis sei, dass Transfrauen aggressiv oder unehrlich seien, dabei kennt sie vor allem eher introvertierte Menschen. Wo es doch zu Diebstählen kommt, sieht sie die Wurzel in der schwierigen Jobsuche und im Druck, in Pattaya ohne Geld kein soziales Leben führen zu können. Früher hätten viele Transfrauen bei 10.000 bis 15.000 Baht Monatsgehalt einen großen Teil für Hormone ausgegeben, die es heute nach ihren Worten kostenlos über ein staatliches Programm gibt.
Selbstliebe statt Kampf gegen die Gesellschaft
Ihre wichtigste Botschaft richtet Jeans an andere Transfrauen. Wer von der Gesellschaft Akzeptanz erwartet, sollte sich zuerst selbst akzeptieren, denn wer sich selbst nicht liebt, kann kaum erwarten, von anderen geliebt zu werden. Sie selbst nahm früher so viele Hormone, dass ihre Gesundheit litt, und zog sich aus Angst vor Blicken zurück. Heute ist sie nach eigener Aussage glücklicher als je zuvor und stolz darauf, so sein zu können, wie sie ist.
- Selbstständig in Thailand
- Ladyboys in Thailand: Wir stellen die Fragen, die sich sonst keiner traut!
- Wenn Thailand bürokratisch wird: Willkommen im Papierkrieg!