Im Auswandern Thailand Podcast diskutieren Wolfgang Payer von der Easy ABC Sprachschule und Stefan Fabbro mit Andy von der Siam Lounge über das Thema Barbetrieb in Thailand. Andy verfügt über mehrjährige Erfahrung als Investor in verschiedene Geschäfte, darunter auch zwei Bierbars in Pattaya. Die Gesprächspartner beleuchten realitätsnah, warum viele Ausländer glauben, mit einer Bar schnell Geld verdienen zu können. Der alte deutsche Spruch „Wer nix wird, wird Wirt“ wird dabei bewusst als Einstieg gewählt, um die oftmals naive Herangehensweise an das Bargeschäft zu thematisieren.
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Vom Nebenverdienst zum Vollzeitjob
Andy erklärt, wie er zunächst als Investor bei der Bar eines Freundes einstieg und später gemeinsam mit mehreren Partnern eine zweite Bar erwarb. Die Gruppe bestand anfangs aus sechs Teilhabern, die das Geschäft als Nebenerwerb betreiben wollten. Die Realität zeigte jedoch schnell, dass ein Nebenbusiness so nicht funktioniert. Stefan Fabbro stimmt dieser Einschätzung zu und führt aus, dass viele Ausländer nach Pattaya kommen und aufgrund der hohen Dichte an Bars fälschlicherweise annehmen, das Geschäft müsse profitabel sein. Die Vorstellung, nebenbei noch ein Zusatzeinkommen zu generieren und dabei selbst in geselliger Atmosphäre Zeit zu verbringen, erweist sich als Trugschluss.
Marktübersättigung und strukturelle Herausforderungen
Andy beschreibt den Markt als komplett übersättigt und sieht kaum noch Möglichkeiten, von einer klassischen Bierbar gut zu leben. Seiner Meinung nach setzen sich nur noch kreative und gleichzeitig fleißige Konzepte durch. Die Unterschiede zwischen kleinen Bierbars und größeren Betrieben wie Gogo-Bars in der Walking Street werden dabei deutlich. Während größere Bars als Limited Companies mit offizieller Struktur und Direktoren aufgestellt sind, basieren kleine Bierbars meist auf Handschlaggeschäften. Die Lizenz läuft dabei typischerweise auf eine thailändische Partnerin, während die ausländischen Investoren im Hintergrund agieren, was erhebliche rechtliche Risiken birgt.
Rechtliche Fallstricke und finanzielle Realitäten
Stefan Fabbro warnt eindringlich vor Geschäften ohne ordentliche Verträge und bezeichnet dies als absolute Warnsignale. Als Experte für Firmengründungen und Vertragsrecht betont er die Risiken von Handschlagvereinbarungen in einer ohnehin riskanten und wenig ertragreichen Branche. Die Gesprächspartner diskutieren die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, wobei Andy betont, dass die meisten kleinen Bars keine schriftlichen Vereinbarungen zwischen den Partnern haben. Die fehlende vertragliche Absicherung führt regelmäßig zu Konflikten, sobald finanzielle Probleme auftreten. Hinzu kommen hohe Mietkosten, die sich nur schwer durch die tatsächlichen Einnahmen decken lassen.
Der Mythos vom schnellen Geld
Ein zentrales Thema des Gesprächs ist die Diskrepanz zwischen Erwartung und Realität beim Verkauf einer Bar. Andy beschreibt, wie potenzielle Käufer oft an Tagen vorbeikommen, an denen die Bar ungewöhnlich voll ist, weil der Verkäufer gezielt Freunde einlädt und Gratisgetränke ausgibt. Diese künstliche Atmosphäre erweckt einen falschen Eindruck von der tatsächlichen Geschäftslage. Käufer erwerben lediglich das Business und die Möbel, nicht jedoch das Gebäude oder das Grundstück selbst. Zudem verschwindet oft ein Großteil der Stammkundschaft nach dem Besitzerwechsel, da kleine Bars stark vom persönlichen Netzwerk des Betreibers abhängig sind. Ein neuer Besitzer muss daher ein komplett eigenes Kundennetzwerk aufbauen.
Praktische Ratschläge für potenzielle Investoren
Die Gesprächspartner formulieren konkrete Empfehlungen für alle, die mit dem Gedanken spielen, selbst eine Bar in Pattaya zu eröffnen oder zu kaufen. Andy rät dringend dazu, sich zunächst mehrere Wochen oder Monate in verschiedenen Bars aufzuhalten und die tatsächlichen Besucherzahlen zu unterschiedlichen Zeiten zu beobachten. Besonders wichtig sei es, nicht nur während der Hochsaison, sondern auch in der Nebensaison zu analysieren, wie viele Kunden tatsächlich kommen. Durch einfache Zählungen an verkauften Getränken über mehrere Stunden könne man grob die Einnahmen hochrechnen und mit den Mietkosten abgleichen. Moderne Kassensysteme ermöglichen zudem Einblicke in Monats- und Jahresumsätze, sofern der Verkäufer bereit ist, diese offenzulegen. Andy selbst verkaufte beide Bars Ende 2024 und würde definitiv nicht wieder in das Bargeschäft einsteigen, außer es bestünde ein direkter Vorteil für sein Restaurant.
Pattaya im Wandel
Abschließend reflektieren die Gesprächsteilnehmer über die Veränderungen in Pattaya. Andy spürt einen deutlichen Umbruch in der Stadt, die sich zunehmend von einem reinen Nachtleben-Hotspot zu einem breiteren touristischen Ziel entwickelt. Immer mehr Familien und Geschäftsleute besuchen Pattaya, was langfristig Auswirkungen auf das traditionelle Bargeschäft haben wird. Diese strukturelle Veränderung macht es noch schwieriger, mit herkömmlichen Bierbar-Konzepten erfolgreich zu sein. Die Notwendigkeit, kreative und innovative Ansätze zu verfolgen, wird damit noch dringlicher. Für Andy ist klar, dass er ohne ein funktionierendes Restaurant oder ein anderes Hauptgeschäft würde unter keinen Umständen mehr ins Bargeschäft einsteigen werde.
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