Auswandern Thailand Podcast
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#89 – Trampen in Thailand
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Eine Zuschauerfrage, die in Thailand kaum jemand stellt

In Folge 89 des Auswandern Thailand Podcast greifen Stefan Fabbro und Wolfgang Payer eine Frage auf, die ein Zuschauer an die beiden herangetragen hat. Ist Trampen in Thailand überhaupt erlaubt, kennen Thailänder diese Art zu reisen und wie gefährlich ist die Sache tatsächlich? Die rechtliche Antwort fällt kurz aus, denn erlaubt ist es, und damit lohnt sich der genauere Blick auf die Praxis. Beide betonen vorab, dass sie hier aus der Recherche heraus sprechen und selbst noch nie in Thailand getrampt sind.

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Der ausgestreckte Daumen sagt hier nichts aus

Das klassische Trampen, wie es in den siebziger und achtziger Jahren in Europa üblich war, kennen Thailänder in dieser Form nicht. Wer sich in Pattaya mit dem Daumen an den Straßenrand stellt, wird sehr wahrscheinlich von einem Baht-Bus oder einem Songthaew angehalten, der anschließend selbstverständlich Fahrgeld erwartet. Die Geste selbst wird schlicht nicht als Bitte um eine kostenlose Mitfahrgelegenheit verstanden. Was es dagegen durchaus gibt, sind organisierte Fahrgemeinschaften auf dem Dorf, bei denen ein Fahrer morgens mehrere Nachbarn einsammelt und die Kosten geteilt werden.

Aus Kostengründen ist Trampen hier sinnlosa

Thailand ist eines der Länder, in denen öffentliche Verkehrsmittel so günstig sind, dass die Ersparnis als Motiv wegfällt. Die Eltern von Stefans Frau sind mit Nakhonchai Air von Buriram angereist, eine Strecke von rund sechseinhalb Stunden, und haben dafür knapp unter 500 Baht bezahlt. Enthalten waren zwei Einzelsitze mit Massagefunktion, Fernseher, Klimaanlage sowie kleine Mahlzeiten und eine Sojamilch. Mit dem normalen Bus oder mit dem Zug wird es noch einmal deutlich billiger, sodass Trampen in Thailand fast ausschließlich eine Frage der Abenteuerlust bleibt.

Ansprechen funktioniert besser als warten

Statt an der Straße zu stehen, empfehlen die beiden den Weg über große Tankstellen an Ausfallstraßen, wo Fahrer ohnehin anhalten und ansprechbar sind. Ein kurzes Gespräch überwindet die Hemmschwelle deutlich zuverlässiger als ein Schild oder eine Geste aus der Ferne, denn der Fahrer kann sich ein Bild machen und wird neugierig. Wer ein paar Brocken Thai spricht, hat dabei einen erheblichen Vorteil, weil Englisch außerhalb der Touristengebiete kaum weiterhilft. Ein Schild in thailändischer Schrift erhöht die Chancen zusätzlich.

Etappenweise statt in einem Zug

Wer von Bangkok aus nach Chiang Mai will und genau danach fragt, wird lange warten. Sinnvoller ist es, sich ein Ziel in achtzig bis hundert Kilometer Entfernung zu suchen, etwa Ayutthaya, und die Strecke Etappe für Etappe abzuarbeiten. Die Wahrscheinlichkeit, jemanden für eine kurze Strecke zu finden, liegt um ein Vielfaches höher. Auf dem Weg in den Norden liegen zudem zahlreiche Orte, in denen sich eine Übernachtung ohnehin lohnt, und genau darin liegt beim Trampen der eigentliche Reiz.

Das Auftreten entscheidet über die Mitnahme

Thailand ist ein hierarchisch geprägtes Land, in dem äußeres Erscheinungsbild einen spürbaren Stellenwert hat. Ein sauberes, gepflegtes Auftreten macht dem Fahrer die Entscheidung leichter, und dieselbe Regel gilt auf Ämtern genauso wie am Straßenrand. Hilfreich ist außerdem, das Motiv offen zu benennen, also klarzustellen, dass es um ein Abenteuer geht und nicht darum, Geld zu sparen oder jemanden auszunutzen. Die vielzitierte thailändische Hilfsbereitschaft und die Neugier auf Ausländer arbeiten dabei für den Tramper.

Versicherungsschutz ist das größte Risiko

Was Thailand im Vergleich zu Deutschland, Österreich oder der Schweiz unsicherer macht, ist weniger die Kriminalität als der Straßenverkehr. Nicht jedes Fahrzeug ist versichert, und niemand fragt beim Einsteigen nach Vollkasko oder Mitfahrerversicherung. Kommt es zum Unfall, stehen Sie unter Umständen ohne jede Deckung da und müssen sich selbst absichern. Eigenverantwortung heißt hier ganz konkret, sich Reifen und Zustand des Fahrzeugs anzusehen und den Fahrer einzuschätzen, bevor Sie einsteigen.

Alkohol am Steuer wird hier anders bewertet

Rote Augen nach einer durchfahrenen Nacht oder ein Geruch nach Alkohol sind klare Signale, und in Thailand treten sie statistisch häufiger auf als zu Hause. Der Umgang mit Alkohol am Steuer ist gesellschaftlich deutlich lockerer, auch bei Fahrern, die Gäste transportieren. Wer sein Bauchgefühl ernst nimmt und ablehnt, macht nichts falsch, sollte die Absage aber so formulieren, dass niemand sein Gesicht verliert. Ein freundliches Wort über die nette Unterhaltung und die Entscheidung, doch nicht mitzufahren, reicht völlig aus.

Nachts und zu mehreren wird es schwierig

Trampen in der Dunkelheit bezeichnen beide als absolutes No-Go, weil sich weder der Zustand des Fahrzeugs noch der des Fahrers verlässlich einschätzen lässt. Abseits der Hauptverkehrsrouten kommen Schlaglöcher und schlechte Beleuchtung hinzu, dazu Mopedfahrer ohne Helm, die spät abends unterwegs sind. Zu zweit zu reisen erhöht die Sicherheit spürbar, senkt aber die Chance auf eine Mitnahme, und bei zwei Männern noch einmal deutlich stärker als bei zwei Frauen. Die Ladefläche eines Pickups ist verkehrsrechtlich nicht in Ordnung und für längere Strecken ohnehin keine Empfehlung.

Die Ausrüstung entscheidet über den Notfall

Ein geladenes Telefon, eine Powerbank, offline gespeicherte Karten und eigenes Trinkwasser gehören zur Grundausstattung. Thailand hat eine gute Netzabdeckung, in den Bergen und im Upcountry fallen aber durchaus halbe Stunden ohne Empfang an. Informieren Sie außerdem eine Person, die nicht mitfährt, über Ihr Vorhaben, und fotografieren Sie beim Einsteigen unauffällig das Kennzeichen. Das kostet nichts und hilft in der Situation, in der es wirklich darauf ankommt.

Auch der Fahrer kann es sich anders überlegen

Ein Punkt, den die beiden für unterschätzt halten, ist die umgekehrte Situation. Bekommt der Fahrer unterwegs einen Anruf von seiner Frau und erwähnt den ausländischen Mitfahrer, kann die Reaktion durchaus dazu führen, dass Sie an der nächsten Station wieder aussteigen. Genau deshalb sollte man jederzeit damit rechnen, irgendwo auf halber Strecke zu stehen, und entsprechend ausgerüstet sein. Übernachtungsmöglichkeiten gehören mit eingeplant, ebenso wie ausreichend Zeitpuffer, denn ein fest gebuchtes Hotel mit Anreisefrist passt nicht zum Trampen.

Die Bezahlfrage muss vorher geklärt sein

Wer mitgenommen wird, sollte sicherstellen, dass der Fahrer verstanden hat, worum es geht. Manche Thailänder erwarten stillschweigend Benzingeld oder ein Trinkgeld, was für sich genommen völlig legitim ist, nur darf es am Ende der Fahrt keine Überraschung sein. Eine Forderung von 500 Baht beim Aussteigen kann den ganzen Spaß an der Reise verderben, wenn vorher nichts besprochen wurde. Umgekehrt spricht nichts dagegen, aus freien Stücken etwas zu geben, wenn die Fahrt angenehm war.

Auf dem Highway ist Schluss

Die rechtliche Ausnahme betrifft die Schnellstraßen, denn auf Autobahn, Highway, Freeway oder Motorway dürfen Sie sich nicht an den Fahrbahnrand stellen. Das ist verboten und gilt ebenso für Tankstellen, die unmittelbar an solchen Straßen liegen. Auf jeder Landstraße und an jeder Tankstelle abseits davon dürfen Sie sich dagegen hinstellen und Fahrer ansprechen. Damit bleibt vom rechtlichen Teil wenig übrig, was in der Praxis wirklich einschränkt.

Was Trampen in Thailand tatsächlich bringt

Der Gewinn liegt nicht im gesparten Geld, sondern in den Begegnungen, die auf einer normalen Reise schlicht nicht stattfinden. Wolfgang erinnert sich an Motorradtouren, bei denen ihn Thailänder abends in einem Dorf aufgenommen und im leerstehenden Nachbarhaus übernachten lassen haben, Erlebnisse, die dreißig, vierzig Jahre zurückliegen und bis heute präsent sind. Ein Fahrer, der eine Abkürzung über Land nimmt, bringt Sie in Gegenden, die Sie sonst nie gesehen hätten. Wer die nötige Flexibilität und Geduld mitbringt, bekommt dafür ein Thailand zu sehen, das außerhalb der Touristenkomfortzone liegt, und genau deshalb ist Trampen eben nicht für jedermann.

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